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08.11.2004: Der Fall "Irmer"

Der Fall "Irmer"

Kein neuer Hohmann in Hessen - eher ein alter Bekannter

Hans-Jürgen Irmer
Hans-Jürgen Irmer
Homepage Hessischer Landtag

52 Jahre ist der ehemalige Lehrer aus dem hessischen Wetzlar. Mitglied des Landtages ist er bereits Anfang der 90er zweimal gewesen (als Nachrücker), seit 1998 gehört er der Landtagsfraktion der Christdemokraten an. Er ist verheiratet, römisch-katholisch und hat zwei Kinder. Soweit so gut. Doch die Ideen des Hans-Jürgen Irmer, der immerhin in den Lehrfächern Englisch, Erdkunde und Sozialkunde ausgebildet ist, haben so gar nichts mehr mit dem zu tun, was gemeinhin als politisch korrekt bezeichnet wird. Und diese Thesen werden munter in einem von ihm herausgegebenen Anzeigenblättchen verbreitet.

Dazu zählte auch ein Artikel aus dem letzten Monat, in dem aufgedeckt wurde, dass ein schwuler Lehrer aus seinem Wahlkreisbereich im Internet auf Partnersuche ging. Der Artikel gipfelte in der Behauptung, Schwule und Lesben seien Therapierbar und man müsse das Sozialministerium dazu bewegen, dem entsprechende Broschüren für Jugendliche herauszugeben (wir berichteten). Just in diesem Artikel wurde dann auch noch Frau Dr. Christl Ruth Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft zitiert, die kurze Zeit darauf als Expertin der CDU zur so genannten Stiefkindadoption in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften als CDU Expertin eingeladen war vor dem Bundestagsausschuss Stellung zu nehmen. Dr. Vonholdt ist der Meinung, dass man Schwule und Lesben gesundbeten kann und kennt laut eigener Aussage sehr viele ehemals schwule Männer, die heute anderen Schwulen zur Seite stehen um ihr Leben in Griff zu bekommen. Dass die Dame niemals auch nur ansatzweise seriöse Studien vorweisen kann, sei nur am Rande erwähnt, weil die Ideologie, die dahinter steckt, abstrakt genug ist.

Irmers Gesinnung

Hans-Jürgen Irmer hat bezogen auf seine Publikationen eine interessante Vergangenheit. So sind Anzeigen gegen ihn wegen reißerischen Artikeln nicht gerade eine absolute Seltenheit. Jüngst wurden die Grünen aktiv und schalteten den Presserat ein, nachdem Irmer meinte, den EU Erweiterungskommisar Verheugen müsse man wegen der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wegen Hochverrats anzeigen. Aber auch schon in der Vergangenheit war Irmer mehrmals aufgefallen durch recht hetzerische Artikel gegen Minderheiten. Seine Nähe zu dem geschassten CDU Bundestagsabgeordneten Hohmann ist nicht nur örtlich, er setzte sich auch vehement dafür ein, dass man dem ehemaligen Rechtsaußen der CDU eine zweite Chance geben müsse. Aus der Hessischen Union ist im Übrigen nichts zu hören oder nachzulesen, wenn es um ihren stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden geht, vielleicht auch aus Angst die von ihm angesprochenen Wähler, die sich eher am rechten Rand des Parteienspektrums befinden dürften, nicht zu verprellen. Lediglich in äußerst krassen Fällen fühlt sich die CDU zu einer Stellungnahme genötigt, in dem Sie darauf verweist, dass auch Landtagsabgeordnete eine von der Hessen CDU abweichende Meinung haben können.

Dass Irmer sich gerne die Parolen der rechtsradikalen Parteien zu Eigen macht belegen Aussagen aus seinem Anzeigenblättchen "Wetzlarer Kurier". Dort hieß es in der Vergangenheit exemplarisch Irmer sei dafür, "das Individualrecht auf Asyl komplett abzuschaffen." weiter in einem Artikel über das Auftreten von Politikern beim CSD in Berlin "Die Abartigkeiten in dieser Republik nehmen immer weiter zu. Beim diesjährigen Schwulenumzug, dem so genannten ,Christopher Street Day` (CSD), war sich Bundestagspräsident Wolfgang Thierse nicht zu schade, die ,Parade` gemeinsam mit Verbraucherministerin Renate Künast (Grüne) anzuführen." oder aber auch der meist zitierte Ausspruch von ihm "Wer nicht pariert, der gehört gegebenenfalls gefesselt oder geknebelt, bis er den Zielort erreicht. Die Humanitätsduselei Menschen gegenüber, die diesen Staat ausbeuten, muss einfach ein Ende haben." (Neues Deutschland, 3.5.2000 , zitiert nach: ARiC Berlin e.V.: Ein deutsches Alphabet).

Ignorieren oder Ernst nehmen?

Kommentar :
Einen Menschen wie Herrn Irmer sollte man nicht ernst nehmen. Einen Kampf gegen ihn aufzunehmen bleibt so lange sinnlos, wie seine Parteigenossen aus der CDU sich schützend vor ihn stellen. Welches Bild dies auf die CDU wirft, müssen die Verantwortlichen am besten wissen. In einigen Landsverbänden scheint es aber so, als wolle man das Rad der Zeit eher zurückschrauben als sich den gesellschaftlichen Tatsachen stellen. Beschämend ist, dass Herr Irmer Privatpersonen persönlich angreift, sei es nun der schwule Lehrer aus seinem Wahlkreis, der übers Internet einen Partner sucht, oder Lehrerinnen, die längere Zeit krank sind. Dort wo Persönlichkeitsrechte angegriffen werden, fängt der Ernst auch bei Herrn Irmer an. Und gerade in solchen Fällen muss alles unternommen werden, um diesem bösen Treiben Einhalt zu gebieten.
Eingestellt von: Stefan Reck
Druckversion des Artikels (*PDF)

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