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International

05.11.2004: US Wahl 2004

Durchgefallen

Konservative siegen bei US-Wahl

Robb Finberg - Priester und erfolgloser Senatorenkandidat
Robb Finberg - Priester und erfolgloser Senatorenkandidat

Der Glaubenskrieg gegen Homosexuelle in den USA hat am großen US-Wahltag einen Erfolg gefeiert und damit dem Fortschritt einen herben Rückschlag zugefügt. Neben der Wahl des nächsten US-Präsidenten und Wahlen von einem guten Teil des Senates stand auch in 11 US-Bundesstaaten (Arkansas, Georgia, Kentucky, Michigan, Mississippi, Montana, North Dakota, Ohio, Oklahoma, Oregon und Utah) das Thema „Homoehe“ zur Entscheidung an. In allen 11 US-Bundesstaaten sprach sich die Mehrheit der Wählenden gegen eine „Homoehe“ und für eine Engführung des Begriffes Ehe auf eine 2-geschlechtliche Beziehung aus. In einigen US-Bundesstaaten, v.a. in Ohio, wurde sogar gegen jegliche Privilegierung von eingetragenen Lebenspartnerschaften gestimmt. Zurückzuführen ist dies auf den immensen Einsatz von ultrakonservativen, christlichen Gruppierungen, die Stimmung mit dem Thema „Homoehe“ und Abtreibung gemacht hatten. Der Priester (!) Robb Finberg, republikanischer Kandidat für den zu wählenden Senatsposten von Maui/US-Bundesstaat Hawaii, sprach sich sogar im Rahmen der extremchristlichen TV-Sendung „Religious Phonies“ für eine Exekutierung von Menschen aus, die homosexuelle Praktiken ausüben. Zum Glück ist jener christliche Fanatiker kläglich gescheitert. Mit großem Interesse dürften aber die US_Ergebnisse in ultrakonservativen Kreisen in Europa und Deutschland beobachtet werden.

Islamismus – Christianismus

„Eine Gefahr geht vom Islam aus“, betonen die Nachfahren der Kreuzritter. Und am schlimmsten sind die Islamisten, die Flugzeuge in Hochhäuser lenken, die Kinder und Jugendliche mit Bomben bestücken und auf die Marktplätze schicken, die die „schwarzen Witwen“ aussenden, um U-Bahnen zu sprengen.

Die, die das sagen, deuten mit den Fingern zu Recht auf jene, denen nichts mehr heilig ist, schon gleich gar kein Menschenleben. Den Splitter im Auge der Islamisten erkennen sie noch, doch das eigene Brett vor dem Kopf ignorieren sie. Eine neue Gefahr tut sich neben dem Islamismus auf: der Christianismus. Und diese Welle schwappt von den USA zu uns herüber, Europa und viele andere Länder der Welt sind vom Christentum geprägt worden, die meisten davon reichlich unsanft. Trotzdem bauen viele Gesellschaften auf Grundprinzipien des Christentums auf. Dieses wird dann auch eifrig hervorgekehrt, wenn es was zu verteidigen gilt, so z.B. das Christliche Abendland, das immer wieder RetterInnen aus der Not findet. Und nur ja jene zu bestrafen, die nicht nach den selbst zurecht gezimmerten Wertekomplex leben, werden die kleinsten Kleinigkeiten schamlos ausgenutzt.

Das Kopftuch der türkischen Frau? Nein, angeblich ist es kein Glaubenszeichen, auch wenn es im Koran so steht. Es wird noch nicht einmal darüber diskutiert, ob die Frau darunter durch dieses Zeichen diskriminiert wird; es wird einfach zum Erkennungszeichen der Islamisten umgewidmet und verboten.

Kritik an homophoben EU-Kommissaren? Nein, selbst wenn er sich offen gegen Lesben und Schwule bekennt, so ist das im Namen des Christentums zu dulden. Und überhaupt: Wir haben ja schon wieder eine Christenverfolgung, ist doch die letzte Christenverfolgung im hiesigen Abendland erst 1500 Jahre her, sieht man mal davon ab, dass sich zu Zeiten der Reformation die ChristInnen die Köpfe gegenseitig eingeschlagen haben. Das Christentum wird verfolgt und zurückgedrängt, das ist die sture und steife Behauptung jener, die ich zukünftig als Christianisten bezeichne und in einen Topf mit den Islamisten werfe.

Außer so verrückten Extremisten, wie dieser Senatskandidat Robb Finberg bringen sie zwar Lesben und Schwule nicht (mehr) direkt um, wie Islamisten unschuldige Menschen killen. Die harmlosesten unter ihnen, wie Frau Dr. Christl Ruth Vonholdt oder Dr. Norbert Geis, beschränken sich auf das kontinuierliche Gesundbeten Homosexueller, die sie immer noch und entgegen jeder Vernunft als Kranke bezeichnen. Die Extremistinnen aber nutzen die gleiche abstruse Art und Weise wie IslamistInnen, um ihr eigenes, schäbiges Handeln zu begründen. Da werden munter religiöse Zitate aus dem Zusammenhang gerissen und gefälscht. Alles, was sie tun, passiert im Namen Gottes; alles was andere anders tun und denken, ist des Satans oder des Sheitans, wie Islamisten das ausdrücken.

Sehr schnell wird die offene Diskriminierung von Lesben und Schwulen als gerechtes Handeln definiert. Frauen? – Ab hinter Herd und Bügelbrett. Das sind keine gleichwertigen Menschen. Das sind keine Männer! – Die Grundwerte unserer Gesellschaft, die zugegebenermaßen in vielem aus dem Christentum stammen, werden von den Christianisten ausgehöhlt. Mit Christentum hat das nichts mehr zu tun. Es geht nur um die nackte, machterhaltende Politik. Es geht um den Aufstieg in den Kreis der oberen Zehntausend. Und das auf Kosten vieler anderer!

Es wird Zeit, dass diesen Menschen die rote Karte gezeigt wird. Es wird Zeit, dass sich diejenigen zusammenschließen, die zu den ewigen VerliererInnen abgestempelt werden sollen. Es wird Zeit, dass Frauen und Männer das gleiche Gehalt beziehen, dass die sexuelle Orientierung und die Lebensweise eines/r jedeN keinerlei Wertmaßstab unterstellt werden, dass die Religionen keinen Einfluss mehr auf das gesellschaftliche Leben ausüben dürfen, sondern nur zur Bereicherung, zum Facettenreichtum der Vielfalt zählen. Es wird Zeit, dass sich ChristInnen jeglicher Konfession von diesem Christianismus distanzieren. Dem Missbrauch, den die Christianisten mit der Religion verüben, muss man Einhalt gebieten und deshalb diesen FanatikerInnen – nicht den ChristInnen selbst – die Grundlage entziehen. Nichts gegen christliche Grundwerte und –maßstäbe: Sie bauen unsere Gesellschaft auf. Aber die zurecht geschusterten Werte z.B. gegen homosexuelle Menschen müssen Grund genug sein, um die Trennung von Staat und Kirche endlich umzusetzen. Mit Diskriminierung des Christentums, wie das die EU-Abgeordneten Hans-Gert Pöttering von der CDU und Ingo Friedrich von der CSU wähnten, hat das gar nichts zu tun; wohl eher mit einer Engführung auf das Wesentliche und der Zurückführung auf die christlichen Grundwerte. Diese lassen nämlich eine Diskriminierung von Lesben und Schwule definitiv nicht zu. Das Christentum hat nicht das Recht, sich dem menschenverachtenden Islamismus anzunähern. Es ist aber auf dem besten Weg dazu.

Eingestellt von: Ralph Hoffmann
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