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27.04.2008: Maibaumklau

Übergabeverhandlungen laufen

Burschenverein Ismaning und Sub einigen sich

Integrationsmaibaum
Integrationsmaibaum

Das Glockenbachviertel bekommt seinen Maibaum zurück. Am 1. Mai, gegen elf Uhr, wird der Burschenverein Ismaning den Baum zum Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bringen. Das haben das
Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München, das den Baum aufstellt, und die Burschen vereinbart. Die Übergabeverhandlungen finden auf der Bühne statt. Verlangt wird Bier und Brotzeit für 40 Burschen, die den Stamm zu Beginn des Maibaumfests anliefern. Helfer, Musiker und Künstler sollen davon ebenfalls profitieren.

Nur kurz hatte Robert C. Rore den Baum am Dienstagabend unbeaufsichtigt gelassen. Der Künstler, der in diesem Jahr den ersten Teil des Glockenbachmaibaums mitgestaltet, hatte den zehn Meter langen Maibaum aus seiner Werkstatt verbannt, um endlich wieder Platz zum Arbeiten zu haben. „Da habe ich ihn unter ein Dach in den Hof gestellt und bin essen gegangen. Nach dem Essen bin ich nochmal in die Werkstatt, um Schreibkram zu erledigen. 20 Minuten hat das gedauert. Dann bin ich raus und hab’ gesehen: Der Baum ist weg.“ Die Burschen aus Ismaning hatten unter einem Vorwand eine Hausbewohnerin dazu gebracht, das Tor zu öffnen.

Maibaumstehlen gehört zur Tradition

Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München
Schwules Kommunikations- und Kulturzentrum München

„Ein Drama ist das nicht“, sagt Sub-Vorstand Uwe Hagenberg, „eher eine Gaudi“. Das Sub, das Schwule
Kommunikations- und Kulturzentrum München, stellt in diesem Jahr zum ersten Mal einen Maibaum im Glockenbachviertel auf – zusammen mit anderen sozialen und kulturellen Einrichtungen des Viertels. Robert C. Rore gestaltet 2008 den Teil „Tradition und Brauchtum“, der Künstler Michael Borio setzt in diesem Jahr die Lesben und Schwulen in Szene, die den Stadtbezirk zwischen Glockenbach und Gärtnerplatz prägen.

Der Maibaumklau gehört in Bayern ebenso zur Tradition wie das Maibaumaufstellen. In der Regel bringen die Diebe ihr Raubgut am 1. Mai zurück, wenn die Gemeinschaft versammelt ist, um den Baum aufzustellen. Dann werden in aller Öffentlichkeit Verhandlungen geführt, der Baum muss mit einer Brotzeit und Freibier ausgelöst werden. „Die Show verspricht eine Menge Spaß“, sagt Hagenberg.

Die Lokalpresse hatte in den vergangenen Wochen rege über den Glockenbachmaibaum berichtet, der als Integrationsmaibaum die Vielfalt des Quartiers widerspiegeln soll. „Das ist schon etwas Besonderes“, sagt Rore. Einem alten Brauch folgend wächst der Maibaum alljährlich um mehrere Quersprossen, bis er nach vier bis sechs Jahren komplett erneuert wird. In den kommenden drei Jahren gestalten verschiedene Künstler den Glockenbachmaibaum, die die Partner der Aktion wie das Nord Süd Forum oder das Gärtnerplatztheater eigens für diesen Zweck engagieren. Erst am Dienstag hatte der Münchner Merkur berichtet, die CSU wolle den Sub- Baum stehlen. Sein Standort war allgemein bekannt. Der Burschenverein Ismaning war schneller.

„Sicher: Der Glockenbachmaibaum ist ein Symbol für die Gemeinschaft und das Zusammenleben der Menschen in diesem Stadtviertel“, sagt Sub-Vorstand Hagenberg. „Er ist aber auch ein Symbol für Brauchtum und Tradition; ein Maibaum kann geklaut werden. Warum sollte es uns da anders gehen als anderen in Bayern? Immerhin haben wir so das Transportproblem elegant gelöst. Mit der Frage, wie wir den Maibaum zum Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz bringen, müssen sich nun andere beschäftigen.“

Großes Maifest unterm Glockenbachbaum

d' Schwuhplattler
d' Schwuhplattler

Am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz wird der Maibaum am 1. Mai aufgestellt. Das Maifest unterm Glockenbachbaum bestreiten von 11 Uhr bis 19 Uhr neben dem Burschenverein Ismaning zahlreiche Musiker und Künstler. Die Schwuhplattler treten auf und die Philhomoniker, außerdem der Attac Chor, die Aubinger Blasmusik sowie das junge Volksmusikensemble Kofelgschroa. Außerdem auf dem Programm: Pamuzinda, Volksmusik aus Simbabwe, und Silvia Francesca, Schlagersängerin und Entertainerin. Im Publikum wird ein Tanz um den Maibaum versteigert. Die Deutsche Eiche, das Wirtshaus im Fraunhofer und das Café Selig unterstützen das Projekt Maibaum und sorgen am 1. Mai für Speis und Trank. Löwenbräu hat 1000 Liter Bier gespendet, die die Wirte nun gegen Entgelt fürs Sub ausschenken. Rischarts Backhaus und die Schwusos von der SPD tragen ebenfalls zum Fest bei.

Eingestellt von: Wolfgang Burkhard
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