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28.03.2008: Gewalt gegen Schwule

Zeichen setzen gegen Homophobie und Hassgewalt

MANEO begrüßt die Aktion „The Pansy Project“ des britischen Aktionskünstlers Paul Harfleet in Berlin

Am 2. April wird der britische Aktionskünstler Paul Harfleet rund um den Sophie-Charlotte-Platz in Berlin-Charlottenburg Stiefmütterchen pflanzen. Mit seinem „Pansy Project“ macht der Aktionskünstler seit drei Jahren an Orten, an denen Homosexuelle Opfer antischwuler Übergriffe geworden sind, symbolisch auf Homophobie und Hassgewalt aufmerksam. „Wir freuen uns, dass unser Anliegen, Zeichen gegen Homophobie und Hassgewalt zu setzen, auch seitens internationaler Künstler Unterstützung findet“, so MANEO-Projektleiter Bastian Finke.

Am 2. April 2008, um 14 Uhr, will der Künstler zusammen mit freiwilligen Passanten ein Zeichen setzen, dass Homophobie auch in Berlin keinen Platz hat. Um den Sophie-Charlotte-Platz sollen Stiefmütterchen gepflanzt werden. Dem Künstler zufolge steht der Ort symbolisch für die vielen Gewalttaten, die jährlich in Berlin gegen Homosexuelle verübt werden, nachdem dort vor einigen Monaten zwei schwule Männer nachts von zwei Tätern beschimpft und körperlich verletzt wurden. Mit seinem „Pansy Project“ (www.thepansyproject.com) war Paul Harfleet in den vergangenen drei Jahren bereits u.a. in London, Manchester, Liverpool und New York. Fotografien aus dem „Pansy Project“ werden ab dem 5. April 2008 in der Galerie Tornado am Ostkreuz zu sehen sein.

Die Aktion ist in Zusammenarbeit mit MANEO entstanden. MANEO hofft, dass das Anliegen, Zeichen gegen Homophobie und Hassgewalt zu setzen, auch weiterhin breite Unterstützung findet. Mit dem 2. MANEO-Kuss-Marathon anlässlich des Internationalen Tages gegen Homophobie am 17. Mai 2008 wird MANEO erneut an Orten, die als „kein leichtes Pflaster“ für Homosexuelle bekannt sind, offensiv für mehr Toleranz werben. „Jeder ist herzlich eingeladen, mitzumachen!“, erklärt Bastian Finke. Im Rahmen der MANEO-Aktionstage anlässlich des 17. Mai lädt MANEO außerdem dazu ein, eigeninitiativ Aktionen ins Leben zu rufen, um gemeinsam Zeichen zu setzen: „Homophobie und Hassgewalt haben keinen Platz in unserer Mitte!“

Warum Stiefmütterchen am Sophie-Charlotteplatz-Platz?

MANEO bearbeitete im vergangenen Jahr folgenden Vorfall: Am 25.02.07, gegen 23:45 Uhr, kamen zwei schwule Männer, 39 und 46 Jahre alt, mit der U-Bahn am U-Bahnhof Sophie-Charlotten-Platz an. Der Bahnsteig war nahezu menschenleer, als sie zum Ausgang gingen. Der 46-Jährige hatte dabei seinen Arm um die Schulter seines Freundes gelegt, da es zugig und kalt war. Zwei junge Männer, die lautstark hinter ihnen her gingen, holten schnell auf. Auf der Treppe schaute sich der 46-Jährige nach ihnen um. Darauf entgegnete einer der beiden jungen Männer: „Was guckst du?“ und „Was willst du?“ Die Betroffenen gingen weiter ohne zu antworten.

Weil die beiden jungen Männer ihnen weiter folgten, beschleunigten die Betroffenen auf der Straße ihren Schritt – um Abstand zu gewinnen. Wenig später bemerkten sie, wie sie angespuckt wurden: Sie hörten deutlich das Rotzen; der 46-jährige spürte plötzlich Spucke in seinem Nacken. Daraufhin drehte er sich um und fragte, was das solle, worauf er die Antwort erhielt: „Was willst du? Du kannst eins in die Fresse bekommen.“

Die Betroffenen zogen vor, ihren Weg fortzusetzten. Nach drei Schritten wurde der 46-Jährige mit großer Wucht in den Rücken getreten. Nach dem schmerzhaften Tritt in die Nierengegend drehte sich der Betroffene um und fragte erneut, was das solle. Die beiden Jungen Männer haben mit ihren Fäusten gedroht und gerufen: „Was willst du. Komm doch. Ich hau dir eins in die Fresse.“

Die Betroffenen flüchteten sich in den Schutz der 20 Meter entfernten Imbissbude, wo es heller war und sich einige Menschen aufhielten. Von dort verständigten sie die Polizei, während die Täter in Richtung Windscheidstraße flüchteten.

Weil in diesem Moment ein Polizeiauto zufällig vorbei kam, konnten sie die Beamten auf die Täter aufmerksam machen. Die Beamten baten einen der Betroffenen einzusteigen, um den Tätern hinterherzufahren. Kurz darauf konnten die Täter identifiziert und festgenommen werden. Während der Aufnahme der Personalien drohten die Täter dem Opfer erneut.

Heute, am 28.03.08, fand vor dem Jugendrichter am Amtsgericht Tiergarten die Hauptverhandlung gegen die beiden Angeklagten, einem zur Tatzeit 19-Jährigen und einem 20-Jährigen, statt. Sie wurden beide verurteilt; der bereits mehrfach vorbelastete 19-Jährige wurde zu einem Dauerarrest von einer Woche, der 20-Jährige, der zuvor nicht auffällig gewesen war, zu 50 Freizeitstunden verurteilt.

Eingestellt von: Wolfgang Keller (Würzburg)
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