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19.10.2004: Stiefkindadoption umstritten

Stiefkindadoption umstritten

Mehrheit der Experten befürworten Stiefkindadoption

Volker Beck Bündnis90 / Grüne
Volker Beck Bündnis90 / Grüne

Die überwiegende Meinung nach der Sitzung des Rechtsauschusses im Bundestag war, dass eine Stiefkindadoption auf jeden Fall in die Ergänzungen zum Lebenspartnerschaftsgesetz aufgenommen werden muss. Einigen Experten reicht dies nicht. Sie forderten eine generelle Überprüfung, inwieweit Adoptionen ansich den Schwulen oder Lesbischen Paaren zugestanden werden sollte. Man habe in sämtlichen Untersuchungen keinen Anhaltspunkt finden können, dass Kinder aus Homoehen schlechtere Chancen hätten als solche, die von Vater und Mutter aufgezogen werden. Die Mitglieder der Regierungsfraktionen, die FDP und auch die PDS waren mit dem Ausgang der Gespräche sehr zufrieden und sehen die Stiefkindadoption gerade auch im Hinblick darauf, dass diese aus rechtlicher Sicht wohl auch vor dem Verfassungsgericht Bestand haben wird, was auch ein Experte der Union bestätigen musste, so gut wie in "trockenen Tüchern". Volker Beck, der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen sagte in einer Presseerklärung zu den Ergebnissen, dass "die geplante Einführung der Stiefkindadoption dem Kindeswohl diene und Kinder, die bereits in gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften aufwachsen, rechtlich besser absichere."

Unionsexpertin hält Homosexualität für heilbar

Einer möglichen Adoption widersprachen natürlich die Experten, die von konservativer Seite eingeladen wurden. Zwar konnten sie keine einzige seriöse Studie anführen, die gegen eine Adoption spricht, allerdings waren auch Experten von der Union eingeladen worden, die deutlich machten, welche Wege die CDU/CSU in diese Richtung einschlagen kann.

So wurde Frau Dr. Christl Ruth Vonholdt vom Deutschen Institut für Jugend und Gesellschaft eingeladen. Sie ist selbst gehört der Gruppe "Christen in der Offensive e.V." an und steht christlich fundamentalen Gruppen aus den Vereinigten Staaten sehr nahe, die Schwule und Lesben gerne mal "gesundbeten" bzw. zu Heterosexualität und wenn das nicht geht zumindest zu Asexualität umerziehen. Sie geht von "Identitätsverwirrung" bei Homosexualität aus und ist der Meinung dass schwul oder lesbisch sein ein Problem von falschen Einflüssen und Erziehung sei. Ergo sind Schwule und Lesben krank und können geheilt werden. Diese These wurde von der WHO bereits in den 70er Jahren widerrufen. Das ist der guten Christin aber egal. In Interviews mit dem katholischen Rheinischen Merkur und auf einigen Webseiten geht sie in ihren Aussagen noch weiter. Sie kenne einige "geheilte", die nun selbst Anderen zur Seite stehen würden, die eingesehen hätten, dass Homosexualität nicht normal sei. Jetzt stellt sich die Frage, was die CDU mit dieser "Expertin" erreichen wollte, denn die Ansichten der Frau Doktor müssen den Unionspolitikern bekannt sein. Will man sich selbst der Lächerlichkeit preisgeben, weil man Expertinnen einlädt, die sich durch Ihre Ansichten selbst diskreditieren, oder glaubt man am Ende an die Thesen der Expertin?

Ein Affront gegen Schwule und Lesben

Kommentar :
Was haben sich die Politiker der CDU und CSU dabei nur gedacht. Eine äußerst umstrittene und fundamentale Christin wird zu Rate gezogen, wenn es um so ein ernstes Thema geht wie Stiefkindadoption. Frau Dr. Vonholdt vertitt nicht nur die These, dass Schwule und Lesben geheilt werden können - sie verbreitet auch Ergebnisse von äußerst fragwürdigen Studien, die behaupten 86 % der HIV Neuinfektionen bei schwulen Männern treten in festen Beziehungen auf. Leider finden sich in all den Fundstellen zu der Dame niemals Quellen, mit Hilfe derer man die Ergebnisse solcher Studien ein wenig besser beleuchten könnte. Doch die CDU scheint eine Symbiose mit der Dame einzugehen. Hier steht Sie der CDU zur Seite, wenn es um die Stiefkindadoption geht, an anderer Stelle braucht ein CDU Politiker Sie, um seine eigenen Meinungen zur Homosexualität zu untermauern. Das hat nichts mehr mit einer seriösen Politik zu tun. Keine "moderne Großstadtpartei" kann es sich erlauben einen Teil Ihrer eigenen Spitzenpolitiker als psyschich krank abzustempeln und genau das passiert zur Zeit. In Hessen hat gerade ein Landtagsabgeordneter das Sozialministerium darum gebeten, einen Umdenkungsprozess zu starten. Nicht das "Coming Out" soll ausnahmslos unterstützt werden, sondern auch die Möglichkeit sich von Homosexualität heilen zu lassen. Dass genau durch solcherlei Dummheiten noch mehr Ausgrenzung und eine durch Ablehnung und Selbstzweifel höhere Suizidrate die Folge sein könnte, wird nicht bedacht. Warum auch - ist es doch ein willkommenes Untermauern der These, das Homosexualität gefährlich sei, wenn die Selbstmordrate unter schwulen und lesbischen Teenagern steigen würde. Ist es ein Zufall, dass der Politiker, der diese These vertritt (Hans-Jürgen Irmer - stellvertretender Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion), in zumindest örtlicher Nähe zu dem geschassten CDU Bundestagsabgeordneten Martin Hohmann lebt? Frau Merkel hat scheinbar noch an einigen Fronten zu kämpfen.
Eingestellt von: Stefan Reck
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