Ingo Friedrich, MdEP, CSU, vermutet organisierten Protest
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| CSU-Europaparlamentarier Ingo Friedrich |
Kommentar von Wolfgang Keller: Dem italienischen Kommissarsanwärter Rocco Buttiglione ist das gelungen, wovon andere nur träumen können: Er hat den seltenen Weg mit einem europäischen Thema in die Schlagzeilen geschafft. Der Vorsitzende der Centro Democratico Unito (CDU) sprach im Zusammenhang mit dem bei der noch nicht verabschiedeten europäischen Verfassung außen vor gelassenen Gottesbezug von Homosexualität als Sünde.
In einem Interview des Deutschlandfunks mit dem CSU-Europaabgeordneten Ingo Friedrich äußerte dieser Verständnis für seinen italienischen Parteifreund. Wer hätte anderes erwartet? Friedrich vermutet - und das auch noch begründet, obwohl er eine überzeugende Begründung im weiteren Verlauf des Interviews vermissen lässt - einen organisierten Protest gegen Buttiglione, den er als einen Kommissarskandidaten bezeichnet, der knorrig ist und seine eigene Überzeugung hat. Nun, Herr Friedrich, knorrig ist das eine, Diskriminierung das andere, denn wie anders könnte man es bezeichnen, wenn man Homosexualität mit Sünde gleichstellt? Dass die katholische Kirche immer noch Homosexualität als Sünde einstuft, ist bekannt und würde sich jemand, der solches öffentlich äußert für eine Anwartschaft als vatikanischer Kommissar für moraltheologische Fragen bewerben, wäre das weniger überraschend. Im Europa des Jahres 2004 hat aber ein Politiker mit dieser Grundeinstellung, noch dazu wenn er sich gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben als europäischer Kommissar einsetzen soll, nichts verloren.
Wenn nun Herr Friedrich Unterscheidungen macht zwischen dem persönlichen Empfinden eines Katholiken und seiner katholischen Werteanschauung einerseits und andererseits es für ihn völlig klar ist, dass Buttiglione sich selbstverständlich an geltendes Recht und Ordnung halten wird, ja, es seiner Aussage nach "nicht den Funken von irgendeiner Art von Diskriminierung geben" wird, dann muss sich Herr Friedrich die Frage gefallen lassen: Was bitte steht denn hinter der katholischen Kirche und ihrem Festhalten am Begriff der Sünde für die Homosexualität? Könnte es sein, dass dies über 2000 Jahre Kirchengeschichte sind, in denen Homosexuelle eben von jener Kirche diskriminiert wurden und nach wie vor werden?
Um Ausreden und -flüchte ist Herr Friedrich nicht verlegen, wenn es darum geht, Buttiglione in Schutz zu nehmen. Die Konservativen zeigen Fortschritte, wenn es um das Thema Homosexualität geht? Wer so etwas behauptet, erscheint mir doch etwas auf dem Holzweg zu sein. Oder gar glasklar in einer Sackgasse?
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