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25.09.2007: Integrationspolitik

Integrationspolitik: Kampf gegen Homophobie

Respekt für Homosexuelle muss Thema der Integrationspolitik werden

Zur Präsentation der Ergebnisse einer Studie über "Einstellungen zur Homosexualität bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund" erklärt Günter Dworek, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes (LSVD):

Der Kampf gegen Homophobie muss ein festern Bestandteil der Integrationspolitik werden. Wir brauchen einen bundesweiten Aktionsplan gegen Homophobie und Minderheitenfeindlichkeit. Der LSVD lädt Migrantenverbände und zuständige Behörden ein, einen solchen Plan gemeinsam zu erarbeiten. Damit reagieren wir als Verband auf die Ergebnisse einer Studie zur Homophobie bei Jugendlichen mit türkeistämmigem Hintergrund sowie bei Jugendlichen mit russischsprachigem Hintergrund.

Jugendliche aus diesen Gruppen zeigen durchweg eine stärker ausgeprägte homosexuellenfeindliche Einstellung als Jugendliche ohne Migrationshintergrund. Zu diesem Ergebnis kommt eine von Prof. Dr. Bernd Simon, Institut für Psychologie, Universität Kiel, durchgeführte Studie zu "Einstellungen zur Homosexualität. Ausprägungsformen und sozialpsychologische Korrelate bei Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund". Die Befunde der Studie sind alarmierend. Sie verweisen auf die Bedeutung traditioneller Männlichkeitsnormen und von Religiosität für die Prägung antihomosexueller Einstellungen.

Homosexuellenfeindlichkeit ist keine Bagatelle. Sie hat negative Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Immer wieder werden Homosexuelle Ziel von Anfeindungen und Pöbeleien, nicht selten auch von Gewalt. Besonders hart trifft es Schwule und Lesben mit Migrationshintergrund. Durch massive Ablehnung in ihrer Herkunftsgruppe wird ihnen ein selbstbestimmtes Leben oft weitaus schwerer gemacht als Lesben und Schwulen im Allgemeinen.

Die Ablehnung jeder Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung gehört zum verbrieften Wertekanon der Europäischen Union. Homosexuellenfeindlichkeit entgegenzuwirken ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Es geht um Respekt für unterschiedliche sexuelle Orientierungen. Hier muss endlich gehandelt werden. Politik und Behörden, Wissenschaft und Bildung sind hier ebenso gefordert wie Lesben- und Schwulenorganisationen, Migrantenverbände und Glaubensgemeinschaften.

Nötig sind auch weitere begleitende Forschungen. Es ist erforderlich, die Wechselwirkungen zwischen migrationsspezifischen Faktoren, Homosexuellenfeindlichkeit, Männlichkeitsnormen und Religiosität noch besser zu verstehen. Vor Simplifizierungen ist zu warnen.

Schon jetzt liefert die Simon-Studie freilich deutliche Hinweise auf ein wirksames Gegenmittel gegen antihomosexuelle Einstellungen: Persönlicher Kontakt hilft Vorurteile abzubauen. Dies hat der LSVD seit 2005 in einem Modellprojekt erprobt. Die Ergebnisse sind einem Handbuch "Homosexualität in Migrationsfamilien" zusammengefasst. Damit stellt der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) allen Institutionen und Menschen, die auf diesem Feld arbeiten wollen, einen Leitfaden zur Verfügung.

***
Die Studie zu Einstellungen zur Homosexualität wurde vom LSVD in Auftrag gegeben und vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert. Sie basiert auf einer umfangreichen Befragung in Berliner Gesamtschulen und Gymnasien im Jahr 2006. Befragt wurden Jugendliche ohne Migrationshintergrund, Jugendliche, die bzw. deren Vorfahren aus einem Staat der ehemaligen UdSSR stammen, sowie Jugendliche mit türkischem Migrationshintergrund.
Weitere Informationen zur Studie bei Prof. Dr. Bernd Simon, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Institut für Psychologie, Lehrstuhl für Sozialpsychologie und Evaluation
www.psychologie.uni-kiel.de/sozial

Eingestellt von: Wolfgang Keller (Würzburg)
Druckversion des Artikels (*PDF)

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