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02.08.2007: Senioren

VielfALT anders leben

Angebote und Hilfen für Lesben,Schwule und Transgender im Alter

Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen
Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen

Das folgende Beispiel zeigt eindrucksvoll eine für viele betroffene Lesben,Schwule und Transgender schwierige Lebenslage.

Die Situation war ziemlich neu für Frau M., Sozialarbeiterin im Sozialdienst eines großen Münchner Klinikums:
Ein älterer männlicher Patient,der nach einem Schlaganfall auf die Entlassung vorbereitet werden sollte,wandte sich mit folgender Frage an sie:Er lebe in einer langjährigen Partnerschaft mit seinem Freund, der mittlerweile ebenfalls aus Altersgründen nur noch eingeschränkt mobil ist. Deshalb sei es ihm sehr wichtig, einen Pflegedienst vermittelt zu bekommen, der mit Homosexuellen keine Probleme habe. Er habe in seinem Leben lange genug seine Partnerschaft versteckt, er möchte dies jetzt im Alter nicht auch noch in seinen eigenen vier Wänden tun. Und was er schon gar nicht möchte ist, sich dumme Bemerkungen anhören oder jedesmal alles „Verräterische“ wegräumen zu müssen.

Da der Wunsch des Patienten für die Klinikmitarbeiterin verständlich war, sie aber keinerlei Erfahrung mit diesem Thema hatte, nahm sie Kontakt mit der Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen auf und konnte dann tatsächlich neben einem geeigneten Pflegedienst auch gleich noch andere Hilfen und Angebote an den Patienten vermitteln, wie z.B. das Schwule Patenprojekt!,einen Besuch-und Begleitdienst für schwule Senioren.

Gerade homosexuelle Menschen gehobeneren Alters können sich noch gut an Zeiten erinnern, in denen ein offenes Leben als Schwuler, Lesbe oder Transgender unmöglich war. Ausgrenzung, Benachteiligung, Verfolgung und Bedrohung sowohl in der Bevölkerung als auch durch öffentliche Institutionen waren bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr verbreitet und sind bis heute noch nicht überwunden. Auch wenn sich heute so manche Dinge zum Besseren gewandelt haben, sitzen diese Lebenserfahrungen doch oft tief und verhindern oder erschweren eine gleichberechtigte und offene Teilhabe von schwulen Senioren, lesbischen Seniorinnen und Transgendern an den Angeboten für ältere Menschen. Andererseits möchten die Seniorinnen und Senioren ein selbstbestimmtes und würdevolles Leben im Alter führen, ohne Diskriminierung und Ausgrenzungen.

Broschüre erhältlich

Broschüre
Broschüre

Gleichgeschlechtlich orientierte Seniorinnen und Senioren sind ein Spiegel unserer Gesellschaft. Ein bewegtes, „verzaubertes“ Leben liegt hinter ihnen, ihre Geschichten – ob raurig oder fröhlich – sind oft Dokumente der gesellschaftlichen Entwicklung in unserem Land und unserer Stadt. Sie sollten nicht in Vergessenheit geraten und bieten auch den Jüngeren viel Stoff zum Nachdenken. Geschichte und Geschichten aber brauchen Orte, an denen sie erzählt werden können und auf Interesse stoßen.

Die Koordinierungsstelle veröffentlicht deshalb einen Wegweiser speziell für die Gruppe der homosexuellen Seniorinnen und Senioren. Ob Beratung, Unterstützung durch soziale Angebote, geselliges Beisammensein in Gruppen oder Freizeit- und Sportangebote:hier ist für jede und jeden etwas geboten.

Vieles davon ist von Betroffenen für Betroffene organisiert, in allen hier aufgeführten Einrichtungen können die Betroffenen sich jedenfalls sicher sein, als Lesbe, Schwuler oder Transgender willkommen zu sein und mit ihrer Geschichte auf Interesse zu stoßen. Die Broschüre wird allen Altenhilfeeinrichtungen, Seniorenberatungsstellen und Krankenhaussozialdiensten zur Verfügung gestellt, ebenso wird sie in den Einrichtungen der schwullesbischen Gemeinde verteilt.

Zu beziehen ist die Broschüre „VieltfALT anders leben“ unter: Landeshauptstadt München, Direktorium, Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen, Angertorstr. 7, 80469 München, Mail: kgl.dir@muenchen.de.

Eingestellt von: Wolfgang Burkhard
Druckversion des Artikels (*PDF)

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