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CSD

25.05.2007: Christopher Street Day

Moskau Pride 07 nicht verbieten!

Solidarität mit unseren Freundinnen und Freunden in Russland

Am Pfingstsonntag, 27. Mai, werden in Moskau die Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) und eine internationale Menschenrechtskonferenz stattfinden. Die Demonstration wurde ordnungsgemäß angemeldet, aber durch die zuständigen Behörden auch in diesem Jahr wieder verboten. Dazu erklärt Hartmut Schönknecht, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbandes:

Durch den Beitritt Russlands zum Europarat wurden auch die Regelungen der Europäischen Menschenrechtskonvention (EMRK) geltendes russisches Recht. Artikel 11 EMRK garantiert allen Bürgern das Recht auf Versammlungsfreiheit und gewährt damit selbstverständlich auch Schwulen und Lesben in der russischen Föderation das Recht, sich friedlich zu versammeln und für ihre Rechte einzutreten. Artikel 5 EMRK garantiert allen Bürgern das Recht auf Sicherheit.

Es ist nicht hinnehmbar, dass diese Rechte für Lesben und Schwule in Russland nicht gelten sollen. Wir fordern die Regierung Russlands auf, den Moskauer Behörden Einhalt zu gebieten und Hasspredigern ebenso entgegenzutreten wie rechtsextremen Schlägerbanden. Schon Ende Januar bezeichnete der Moskauer Bürgermeister die geplante Demonstration als "Teufelswerk".

Gegen das CSD-Verbot im letzten Jahr haben die Organisatoren bereits Klage beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte eingereicht. Erst kürzlich hatte der gleiche Gerichtshof Polen die Leviten gelesen und festgestellt, dass die polnischen Behörden Demonstrationen von Lesben und Schwulen genehmigen und auch schützen müssen. Das gilt selbstverständlich auch für die russischen Behörden.

Wir solidarisieren uns mit unseren Freundinnen und Freunden in Russland. Der LSVD unterstützt den CSD Moskau 2007 und ist an der internationalen Menschenrechtskonferenz in Moskau beteiligt. Zugleich rufen wir dazu auf, wegen des Moskauer Verbotes an der Demonstration vor der russischen Botschaft in Berlin am Pfingstmontag teilzunehmen: 28.05.2007, 14 Uhr, Unter den Linden 63-65, Berlin.

Bundesregierung und deutsche Politik fordern wir auf, in ihren regel-mäßigen Gesprächen und Konsultationen mit russischen Kolleginnen und Kollegen die Menschenrechte von Lesben und Schwulen in Russland zu thematisieren. Menschenrechte müssen Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen haben.

Volker Beck vom 26. bis 29. Mai in Moskau

Volker Beck (MdB, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)
Volker Beck (MdB, Erster Parlamentarischer Geschäftsführer der Bundestagsfraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Wie angekündigt hat die Moskauer Stadtverwaltung auch in diesem Jahr die für den kommenden Sonntag angemeldete Gay-Pride-Parade verboten. Volker Beck wird trotzdem vom 26. bis 29. Mai in Moskau sein, um dort an einer Gay-Pride-Konferenz teilzunehmen und politische Gespräche in der Duma zu führen, und erklärt hierzu:

Ein Verbot des Gay Pride 07 verstößt gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das hat ein Urteil des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte anlässlich eines gleich gelagerten Falles in Polen aus dem Jahr 2005 deutlich gemacht.

Wir fordern die russischen Behörden auf,

- ihren Verpflichtungen aus der EMRK nachzukommen,
- das Versammlungsrecht von Lesben und Schwulen und anderen zu respektieren,
- friedliche Demonstrationen vor gewalttätigen Übergriffen zu schützen,
- den Rechtsweg so auszugestalten, dass Rechtsmittel gegen versammlungsbeschränkende Maßnahmen vor Beginn der Veranstaltung wirksam eingelegt werden können und darüber gerichtlich entschieden wird.

Es ist bedauerlich, dass bislang nur der stellvertretende Vorsitzende des Verfassungsausschusses, Alexej Mitrofanow, sich als einziger Politiker für das Versammlungsrecht von Lesben und Schwulen ausgesprochen hat.
Dies ist ein richtiger und begrüßenswerter Schritt, er macht Mitrofanow jedoch nicht zu einem Demokraten. Strebt er eine Orientierung in Richtung demokratischer Politik an, muss er sich allerdings von seinen bisherigen chauvinistischen, xenophoben und frauenfeindlichen Positionen distanzieren.

Alexej Mitrofanow ist nach Wladimir Schirinowskij der bekannteste Politker der rechts-nationalistischen Partei LDPR.
Ich begrüße jedes öffentliche Eintreten gegen Diskriminierung und für den Schutz fundamentaler Grundrechte wie die Demonstrationsfreiheit, bleibe jedoch bis zum tätigen Gegenbeweis skeptisch, ob es Mitrofanow ein halbes Jahr vor den Dumawahlen Anfang Dezember um mehr geht als eine billige PR-Aktion.

Kauch: Demonstrationsrecht von Schwulen und Lesben in Russland wahren

Michael Kauch (MdB, FDP)
Michael Kauch (MdB, FDP)

Zum erneuten Verbot der Moskauer Christopher-Street-Day Demonstration am kommenden Sonntag erklärt der FDP-Bundestagsabgeordnete Michael KAUCH:

Die Liberalen fordern die russische Regierung auf, ihre Verpflichtungen aus dem Europarat umzusetzen und das Demonstrationsrecht zu sichern. Die Intoleranz gegen Lesben und Schwule in Russland muss ein Ende haben.

Das Verbot der Moskauer Demonstration zeigt, wie weit Russland von demokratischen Verhältnissen entfernt ist.

Der Europarat ist ebenso wie die EU eine Wertegemeinschaft. Wir erwarten gerade vor dem G8-Gipfel klare Worte der EU-Ratspräsidentin Angela Merkel an Russland.

Aber auch in anderen Teilen Osteuropas gibt es Intoleranz gegen Schwule und Lesben. Die regelmäßigen Ausfälle des polnischen Bildungsministers und das Demonstrationsverbot zum CSD in Litauen sind Belege dafür. Dennoch hat gerade das Beispiel Polen gezeigt, wie man mit politischem Druck aus der EU die Lage verbessern kann.

Der Christopher-Street-Day in Warschau am vergangenen Samstag, an dem ich teilgenommen habe, zeigt dies deutlich. Die Zivilgesellschaft, die Bürgermeisterin und die Polizei haben eine freie und sichere Demonstration auch gegen Anfeindungen durchgesetzt.

Eingestellt von: Wolfgang Keller
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