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HIV
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07.09.2004: Hiv im Dialog
Hiv im Dialog 2004
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Internationalen Themen und Prävention bildeten die neuen Schwerpunkte bei HIV Kongress in Berlin
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| HIV im Dialog 2004 |
Bereits zum vierten Mal fand der Kongress HIV im Dialog in Berlin statt. Geboren aus einer misslichen Situation im Jahr 1998 entwickelte er sich zu einem viel beachteten Kongress, in dem das Wort Dialog stets im Vordergrund stand. In diesem Jahr gab es zwar leider eine zeitliche Nähe zur Bundespositivenversammlung (Versammlung von HI Infizierten Menschen), die am Wochenende zuvor in Kassel stattfand, trotzdem waren die Veranstaltungen, die interdisziplinär angelegt sind vor zahlreichem Publikum statt. Eingeladen waren neben den Betroffenen, Ärzte, PharmavertreterInnen, Nichtregierungsorganisationen, Regierungsorganisationen, VertreterInnen der Aidshilfen, Pflegerinnen und natürlich die Internationalen Gäste aus den vorgenannten Bereichen.
Die diesjährigen Themenschwerpunkte machten vor allem eines deutlich. Die Themenschwerpunkte haben sich deutlich verschoben. Die Sorge über die Nachbarn im Osten macht auch ein Umdenken in Deutschland notwendig. Nach Jahren vergeblicher Mahnung vieler nichtstaatlicher Organisationen, alarmieren die neuen Zahlen aus Osteuropa mittlerweile auch die Deutsche Politik.
Daneben sind die Auswirkungen der sozialen Reformen sowie die Ratlosigkeit vieler Aids-Beratungsangeboten angesichts des Anstieges von Neuinfektionen die Hauptthemen der Veranstaltung gewesen. Themen wie neue Therapien und Ansätze standen nicht mehr im Vordergrund eines HIV Kongresses, was seitens der Veranstalter als Erfolg gefeiert wurde.
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Katastrophe im Osten
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| Schwerer Stand in Russland bei der gtz |
Die Situation im Osten Europas ist mehr als erschreckend. Verschiedene Organisationen rechnen im schlimmsten Fall mit zurzeit bis zu 11 Millionen HI-Infizierten in der russischen Förderation. Verlässliche Zahlen sind im Moment nicht vorhanden. Zumindest ist klar, dass die Zahlen der Neuinfektionen im Osten Europas schneller ansteigen als in Afrika und das quasi vor unserer Haustüre. Eine Zeitbombe, vor der die Politik teilweise die Augen verschließt. Dies war auch der Grund für eine Medieninitiative im Rahmen der Veranstaltung. Auch der Kongressort (Das Russische Haus der Wissenschaften und Kultur in Berlin Mitte) und der Botschafter der Russischen Förderation Kotenev waren sichtbare Zeichen in Richtung Ost-West Dialog, zumindest auf der Ebene der nichtstaatlichen und Selbsthilfeorganisationen.
Schwer nachzuvollziehen bleiben die Schwierigkeiten in der russischen Förderation, was in einem Gespräch mit einer Vertreterin der gtz (Deutsche Gesellschaft für technische Zusammenarbeit) deutlich wurde. Jede Form der Aufklärung darf nur mit Genehmigung der zuständigen Behörden an den Schulen in so genannten Mitmachparcours erteilt werden. Diese Aufklärung darf nur Schülern über 15 Jahren (bis 18 Jahren nur mit schriftlicher Erlaubnis der Eltern) erteilt werden. Eindeutige Bilder sind bei der Aufklärung genauso wenig erwünscht, wie Bilder von gleichgeschlechtlicher Liebe, so dass diese Aufklärung einseitig ist. Ein offener Umgang mit HIV und Aids, mit Kondomen, Homosexualität und eindeutigen Aufklärungsbroschüren ist seitens der Behörden unerwünscht. Das hier, wie auch in den anderen osteuropäischen Ländern, in denen die Situation nicht besser ist, Deutschland und die Erfolge der Prävention hierzulande ein Beispiel sein könnte, scheint auf der staatlichen Ebene vor allem in Osteuropa noch nicht angekommen zu sein. Aber auch die Deutsche Politik ist hier gefragt. So lange dieses Thema auf höchster politischer Ebene mehr oder weniger verschwiegen bleibt, wird sich die Politik in Osteuropa nicht ändern.
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Kritik auch an der lokalen Politik von Zackie Achmat
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| Laudator und Schirmherr Klaus Wowereit |
| gay-web.de |
Doch nicht nur an der nationalen und internationalen Politik wurde Kritik laut. Auch lokale Größen mussten sich fragen lassen, wohin die Politik steuere. So hatte Zackie Achmat, der diesjährige Preisträger des Reminders Days Awards, einen recht unverkrampften Einstieg in das Gespräch mit seinem Laudatoren Klaus Wowereit, dem Regierenden Bürgermeister von Berlin. Nachdem er diesem vor der Verleihung des Preises vorgestellt wurde fragte Zackie Achmat einen überraschten Bürgermeister warum die anonymen HIV-Tests bei den Berliner Gesundheitsämtern in Berlin kostenpflichtig werden sollen. Aber auch die diplomatische Zurückhaltung von Kanzler Schröder bei der Politik gegenüber der russischen Förderation wenn es um HIV und AIDS geht, wurde seinerseits angeprangert in der viel beachteten Rede von ihm bei der Preisverleihungsgala und noch einmal bei der Schlussveranstaltung am Sonntag.
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3-Klassen Gesundheit?
Ein weiterer Schwerpunkt beim Kongress bildeten die Probleme in Zusammenhang von Hartz IV und Gesundheitsreform. Bei den Diskussionen wurde sehr schnell deutlich, dass der Weg in eine 3-Klassen Gesellschaft droht. Da sind zum einen die Besserverdiener, die sich eine Privatversicherung leisten können, dann die Normalverdiener, die in der gesetzlichen Krankenversicherung gut aufgehoben sind und sich diverse "neue" Extras wie Zahnersatz oder Alternativtherapien leisten können und schließlich die sozial Schwachen, die zwar in der Regel noch krankenversichert sind, sich die gestiegenen Kosten aber trotz der bestehenden Härtefallregeln nicht mehr leisten können, geschweige denn Zusatzkostenfür Gesundheitsleistungen, die aus dem Leistungskatalog der Versicherer fallen bzw. die sie sich leisten könnten, wenn die Sozialreformen nicht greifen würden. Hier wurden Nachbesserungen gefordert, die sich gerade mit den Grenzfällen, vor allem auch mit den durch Hartz IV neu eintretenden Fälle befassen müssen.
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Prävention steht vor neuen Problemen. Bisherige Präventionsanstrengungen reichen nicht mehr aus
Der Dritte Schwerpunkt der Veranstaltungen war die Prävention. So wissen die Aids-Hilfen zu berichten, dass die Zahl der Neuinfektionen in Deutschland erstmals seit Jahren wieder angestiegen ist. Bei Studien wurde zudem festgestellt, dass sich immer weniger vor allem Junge Leute durch Safer Sex schützen trotz der allgegenwärtigen Reklame und Aufklärungskampagnen der BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung). Auch hat die Zahl der Barebacker (vor allem Männer aus der schwulen Szene, die bewusst auf Safer Sex verzichten) zugenommen. Diese Situation stellt die Beratungsstellen vor neue Problematiken, zu denen Lösungsansätze gesucht werden. Es scheint, als ob die Abschreckung durch die Bilder der „siechenden“ Aidspatienten in den 80er Jahren den meisten Menschen in Deutschland nicht mehr gegenwärtig ist. Vielmehr sind die Bilder gesund aussehender Positive, die mit zwei Pillen am Tag gut leben in den Vordergrund gerückt. Ein, wie alle Beteiligte meinten, komplett falsches Bild angesichts der Toten, die jedes Jahr zu beklagen sind.
In diesem Zusammenhang wurde auch die Werbung der Pharmakonzerne diskutiert. Einige der Kampagnen in den letzten Jahren gingen genau in diese Richtung. Da wurde den Lesern auf vielfältige Weise suggeriert, dass die Pharmaindustrie sich schon darum kümmere, dass das Leben mit Therapie so einfach wie möglich sei, sei es nun durch ein besserers Nebenwirkungsmanagment oder durch eine vereinfachte Einnahme der Medikamente. Hier gab es zwar immense Fortschritte in der Sache, das tödliche an HIV und AIDS wurde dadurch allerdings kaschiert.
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Gala war gesellschaftlicher Höhepunkt
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| Treatment Action Campaign |
Der unbestrittene Höhepunkt während der 3 Tage war die ReD Award Gala im Roten Rathaus. Bei der Gala wurden Nelson Mandela für seinen unermüdlichen Einsatz gegen Aids sowie Zackie Achmat für seine Hartnäckigkeit im Kampf für bezahlbare Medikamente in Südafrika geehrt. Da Nelson Mandela (86) den Preis nicht persönlich in Empfang nehmen konnte, bedankte sich die Pressesprecherin der Kampagne „Treatment Action Campaign“, Nonkosi Khumalo, im Namen von Nelson Mandela für den Preis. Treatment Aids Campaign (TAC), der auch Zackie Achmat vorsteht, ist die Organisation in Südafrika, die maßgeblich dafür verantwortlich ist, dass HI-Medikamente als Generika importiert werden dürfen und die es vor allem auch erreicht haben, dass diese Medikamente zum Teil kostenlos an die Bevölkerung abgegeben werden. Zackie Achmat, ein sympathische Südafrikaner der selbst HIV Positiv ist und der es bis zum vergangenen Jahr abgelehnt hatte eine Therapie zu beginnen, weil diese zwar ihm zur Verfügung gestanden hat, nicht aber dem Großteil der südafrikanischen Bevölkerung (erst als die Südafrikanische Regierung ein Programm für alle HI-Positiven im Lande verabschiedete, begann er mit der dringend notwendigen Therapie), nahm seinen Preis selbst in Empfang. Die Laudatio hielt der Regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit. Bei der Gala waren zirka 1000 Gäste anwesend. Kulturelle Höhepunkte waren die Gruppe Bro’sis und Jocely B. Smith und später der DJ Cameron Douglas (Sohn vom Michael Douglas). Durch das Programm führten Jessica Witte-Winter (Sat 1) und der Entertainer Thomas Hermanns (Pro7). Während der Gala wurde auch der in diesem Jahr verstorbenen Irina Pabst gedacht, der Grand Dame wenn es um das Sammeln von Geld für Aidspatienten ging.
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Eingestellt von: Stefan Reck |