Polnische Schwule und Lesben im nächsten Jahr erneut zum CSD in Frankfurt
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Beim Frankfurter CSD standen sie im Mittelpunkt: Schwule und Lesben aus Polen und die vielfältigen Diskriminierungen in ihrer Heimat. CSD-Organisator Rainer Gütlich hatte zu Spenden aufgerufen, und das hat vielen jungen Schwulen und Lesben aus Polen ermöglicht, beim CSD in Frankfurt dabeizusein. Viele von ihnen erlebten dort das erste Mal, was es heisst, ohne Bedenken offen schwul zu sein - zumindest für ein Wochenende. Das soll keine einmalige Initiative bleiben: nächstes Jahr sollen erneut Polen zum CSD an den Main kommen und bis dahin hat sich in Frankfurt schon ein eine polnische Gruppe mit einem eigenen Stammtisch gegründet.
Die Unfreiheit beginnt gleich hinter der polnischen Grenze: im Nachbarland leben Lesben und Schwule gefährlich. Regelmässig werden sie dort Opfer rechter Schläger. Polens rechtskonservative Regierung hetzt gegen sie, statt sie vor Angriffen zu schützen. Präsident Lech Kaczynski warnte mit Blick auf homosexuelle Gleichberechtigung bereits vor einem drohenden "Aussterben der Menschheit".
Der Frankfurter CSD hat die Situation der Polen 2006 mit einer beispiellosen Aktion angeprangert: es gab nicht nur offene Proteste gegen die Situation in Polen, Frankfurter spendeten auch Geld, damit junge Polen am CSD in Frankfurt teilnehmen konnten. Viele von ihnen haben in Frankfurt das erste Mal erlebt, dass es Plätze auf der Welt gibt, wo es möglich ist, offen schwul zu sein.
Einer der polnischen Gäste drückte es später in einer eMail nach Frankfurt so aus: "Dieses aussergewöhnliche Wochenende hat in meinem Leben eine besondere Bedeutung, weil ich zum ersten Mal an so einer Veranstaltung teil genommen habe. Und zum ersten Mal habe ich den Mut gehabt mich in der Öffentlichkeit als schwul zu zeigen, ich erkenne mich selbst nicht wieder."
Tomek Wosinski, der Organisator des polnischen Aktionen zum Frankfurter CSD, macht jetzt weiter: er hat die Frankfurter Gruppe regenbogen-polen gegründet und die haben jetzt auch einen eigenen Stammtisch im Switchboard: "Wir treffen uns dort jeden Mittwoch um 19.30 Uhr. Insgesamt sind wir 15 bis 20 Leute."
Für nächstes Jahr plant die Gruppe erneut, junge Leute aus Polen zum CSD nach Frankfurt einzuladen. denn die politische Situation in dem Land, sagt Tomek Wosinski, hat sich nicht gross verändert: "Wir haben eine ziemlich rechts orientierte Regierung. Schwule und Lesben werden weiterhin diskriminiert. Jetzt ist es inzwischen etwas schlimmer geworden. Es ist ja auch geplant, alle schwulen und lesbischen Lehrer, die öffentlich dazu stehen dazu stehen, von der Schule zu entfernen. Also es ist nicht gerade sehr bunt und gut in Polen."
Frank Sommer, selbst Deutscher, und auch regelmäßig beim Stammtisch zu Gast, hat das auf seinen Reisen nach Polen auch so erlebt: "Ich bin seit zehn Jahren fast jedes Jahr in Polen, und habe auch dort bemerkt, dass die Situation früher besser war. Es hat sich also einiges zum schlechteren verändert, und das hat mich motiviert und ist für mich auch Grund genug, hier mitzumachen."
Beim Stammtisch und bei der Vorbereitung des nächsten Projekts: mit einem Flohmarkt wollen die regenbogen-polen am Samstag, den 2. Dezember, Geld sammeln, um auch nächstes Jahr wieder jungen Polen zu ermöglichen, zum CSD nach Frankfurt zu kommen.
Wer also Ausgedientes für den Flohmarkt spenden will, kann das im lesbischschwulen Kulturhaus in der Klingerstrasse 6 in Frankfurt tun: dienstags ab 20.00 Uhr, mittwochs von 18 bis 19.15 Uhr und sonntags beim Brunch ab 11.00 Uhr.
(Mit freundlicher Genehmigung von Wolfgang Frey | www.tuckenalarm.de)
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