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Aktuell
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16.08.2004: Anti-schwuler Reggae
Keine Hatesongs aus Jamaika in Deutschland
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Erste Erfolge der Kampagne des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD)
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| Hasssänger aus Jamaika: Buju Banton |
Wie bereits am letzten Freitag vom LSVD in einem Schreiben an die Presse mitgeteilt wurde, soll der jamaikanische Dancehall-Musiker Buju Banton nach Deutschland kommen. In seinem Lied "Boom Bye Bye" ruft Buju Banton offen dazu auf, Homosexuelle durch Kopfschuss, Säureattentat oder Brandanschlag zu ermorden. Die Menschenrechtsorganisationen amnesty international und Human Rights Watch haben aufgrund von Indizien berichtet, dass Buju Banton im Juli 2004 in Jamaika an einem schwulenfeindlichen Übergriff persönlich beteiligt war.
Darum fordert der LSVD Revelation Concerts aus Hamm, den Veranstalter der Deutschland-Tournee von Buju Banton, sowie die lokalen Mitveranstalter auf, die Konzerte unverzüglich abzusagen.
Einige jüngere und erfolgreiche Dancehall-Bands aus Jamaika zeichnen sich in ihren Liedertexten dadurch aus, dass sie offen zu Mord und Totschlag an Schwulen aufrufen. Diese Hasspredigten tragen dazu bei, dass die ohnehin prekäre Menschenrechtssituation für Homosexuelle in Jamaika, wo es noch Strafgesetze aus dem 19. Jahrhundert gegen einvernehmliche homosexuelle Beziehungen zwischen Erwachsenen gibt, weiter verschärft wird. Erst im Juni wurde der bekannte jamaikanische Bürgerrechtler und Gründer der Homosexuellenorganisation J-Flag, Brian Williamson, Opfer eines solchen Hassverbrechens. Laut J-Flag wurden in Jamaika seit 1997 rund 30 Männer wegen ihrer Homosexualität ermordet.
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"Puma" distanziert sich von Hatesongs - Saarbrücker Veranstalter lädt Buju Banton aus
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Derweil zeigt die Kampagne des LSVD erste Erfolge. Der deutsche Sportartikelhersteller "Puma", der als Sponsor der jamaikanischen Olympia-Mannschaft auch ein Konzert von Buju Banton in Athen sponsort, hat nun mitgeteilt, dass es Firmenpolitik sei, keine Hasspredigen zu dulden. Buju Banton wurde in Athen auf diese Nulltoleranz-Politik gegenüber Minderheitenfeindlichkeiten hingewiesen. Sollte Buju Banton gegen diesen Grundsatz verstoßen und irgendwo auf der Welt einen schwulenfeindlichen Song zur Aufführung bringen, wird "Puma" nicht weiter mit ihm zusammenarbeiten.
Der LSVD begrüßt die Selbstverpflichtung von "Puma", Buju Banton und andere Bands aus Jamaika zu sensibiliseren und zugleich mit schwullesbischen Organisationen in Jamaika zusammenzuarbeiten, um Diskriminierung, Hass und Gewalt entgegenzutreten. Weiterhin fordert er andere Firmen auf, sich dieser Firmenpolitik anzuschließen.
Zwischenzeitlich hat der Saarbrücker Konzertveranstalter "Joybringer" trotz finanzieller Einbußen Buju Banton kurzfristig wieder ausgeladen. Buju Banton wird am 03. September auf dem Reggae Jam in Saarbrücken nicht auftreten.
Auch in Hamburg hat die "Fabrik" bis auf weiteres jedes Engagement abgesagt (laut der Hamburger Tageszeitung MOPO), nachdem eine Beteiligung Bantons an einem schwulenfeindlichen Übergriff nicht ausgeschlossen werden konnte. Man wolle die Klärung des Verfahrens abwarten.
Nach entsprechenden Berichten wurde am Mittwoch auch das Konzert in der Centralstation in Darmstadt abgesagt. Auch hier war man sich nicht sicher, ob man den Beteuerungen Bantons glauben mag, nachdem aus Recherchen bekannt wurde, dass Buju Banton immer noch von der Polizei in Jamaica wegen eines schwulenfeindlichen Übergriffes vernommen werden soll. Das hatte der Sänger in den letzten Wochen bestritten.
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gay-web schließt sich den Protesten an
Kommentar : gay-web.de hat sich, da wir in fast allen Regionen Deutschlands vertreten sind, den Protesten angeschlossen und bei den Veranstaltern angefragt, ob sie sich bewusst sind, wen sie dort eingeladen haben. In einigen Städten werden just diese Locations auch gerne für schwullesbische Events benutzt (Kesselhaus in Berlin, Modernes in Bremen oder Die Fabrik in Hamburg). Es ist unverständlich, dass sich die Veranstalter vor einer Tournee nicht informieren, wen sie einladen. Das kann, und in diesem Fall ist dies auch geschehen, nach hinten losgehen. So mancher schwuler Veranstalter wird sich bei dem sicherlich großen Angebot an Locations in Großstädten schon überlegen, ob man bei den Veranstaltern bucht, die Künstler unterstützen bzw. ihnen die Chance geben hier auch noch Geld zu verdienen mit dem vielleicht der nächste Hasssong produziert wird.
Kommentar von Stefan Reck
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Eingestellt von: Wolfgang Keller |