Das szenenahe Angebot senkt die Hemmschwelle
HIV-Tests in der Szene sind in Deutschland nach wie vor rar. “In der schwulen Gemeinde wird das Problem einfach nicht gesehen”, sagt Vael. “Die Therapiemöglichkeiten machen eine Ansteckung mit dem HI-Virus scheinbar ungefährlich. Aber AIDS ist nach wie vor nicht heilbar.” Tatsächlich ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen in den vergangenen Jahren bedrohlich angestiegen. Meldete das Robert-Koch-Institut 2002 noch 1735 Erstdiagnosen, waren es 2005 geschätzte 2600. Häufigster Infektionsweg ist mit 70 Prozent aller Fälle der mannmännliche Sex. “Wir müssen deshalb aktiv dazu beitragen, dass sich schwule Männer testen lassen", betont Vael.
Um die Hemmschwelle zu senken, findet der HIV-Test ganz bewusst in einer Szene-Einrichtung statt. Häufig scheuen homosexuelle Männer den Besuch beim Hausarzt, weil sie glauben, dort nicht offen sprechen zu können. Im Sub sind die Ärzte und Betreuer alle selbst schwul. Der Termin am Freitagabend macht es außerdem Berufstätigen leicht, für die die Öffnungszeiten von Arztpraxen oder Gesundheitsämtern oft ein Hindernis darstellen, sich testen zu lassen.
Dass das Konzept funktioniert, zeigt der Erfolg der ersten beiden Testaktionen im Juli und Oktober vergangenen Jahres. Jedesmal kamen über 70 Männer in die Müllerstraße 43. "Wir mussten sogar Leute wegschicken, weil der Andrang zu groß war”, sagt Projektleiter Vael. Testen lassen haben sich Männer und Frauen zwischen 20 und 66 Jahren; das Durchschnittsalter der Testpersonen lag bei 38,4 Jahren. Die Beweggründe für den Test waren vielfältig. Guido Vael: “Die einen wollten eine neue Beziehung eingehen, andere einfach Bilanz ziehen. Manche hatten auch ungeschützt Sex und jetzt Angst, sich infiziert zu haben”.
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