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27.01.2006: Affäre Renner

Minister Renner zurückgetreten

Familienpolitischer Streit zwischen dem baden-württembergischen Sozialminister Andreas Renner und Bischof Gebhard Fürst gab den Ausschlag

Andreas Renner
Andreas Renner

Baden-Württembergs Sozialminister Andreas Renner (CDU) ist nach einer Verbalattacke gegen den katholischen Bischof Gebhard Fürst zurückgetreten.

Am heutigen Freitag hatte die SPD-Opposition den baden-württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger (CDU) aufgefordert seinen Sozialminister Andreas Renner (CDU) umgehend aus dem Amt entlassen. Der SPD - Landtagsfraktionschef Wolfgang Drexler sagte, das heute kurzfristig anberaumte Gespräch zur Versöhnung mit dem katholischen Bischof Gebhard Fürst sei nur aus parteitaktischen Gründen gesucht worden. Auch aus der CDU war Renner bereits am Vortag zum Rücktritt aufgefordert worden, weil er Bischof Gebhard Fürst in einem Streit im Juli 2005 verbal angegriffen haben soll.

Der Sozialminister soll im Streit mit führenden Kirchenvertretern über seine Schirmherrschaft für den Stuttgarter Christopher Street Day vor einem halben Jahr zu Fürst gesagt haben: "Halten Sie sich da raus. Fangen Sie doch erst einmal damit an, Kinder zu zeugen." Der Minister bestätigte den Disput, erklärte aber, er habe lediglich gesagt: "Dann lassen Sie erst mal zu, dass Priester Kinder zeugen".

Die Auslöser für das Aufkochen des alten Streits seien wahrscheinlich in Renners eigener Partei zu finden, sagte der Thüringer Theologe Albert Biesinger. "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass der Bischof oder Kirchenkreise einen Rücktritt Renners wünschen."

Bei einer Pressekonferenz am Abend gab Oettinger dennoch den Rücktritt Renners bekannt.

Affäre Renner

Kommentar von Holger Störmer:
Im parteiinternen Streit zwischen Traditionalisten und Modernisierern, dessen Opfer nun Andreas Renner geworden ist, tritt leider eines in den Hintergrund: Die CDU wird ihr Familienbild neu definieren müssen.

Christdemokratie darf sich nicht auf starren Konservativismus (z. B. Martin Hohmann, Norbert Geis) und Neoliberalismus (Angela Merkel) reduzieren. Dazu gehört auch Zeitoffenheit und das Menschenbild der christlichen Soziallehre. Christdemokratische Parteien dürfen auch keine „verlängerte Werkbank“ einer katholischen oder evangelischen Kirche sein. „Familie ist, wo Kinder sind“ (Horst Köhler). Deshalb gehört die kinderlose heterosexuelle Ehe fiskalisch und rechtlich der Lebenspartnerschaft angepasst.

Man kann darüber streiten, ob es richtig von Renner war, die Schirmherrschaft über eine „bunte“ Veranstaltung, wie den Stuttgarter CSD zu übernehmen, zumal er auch ins Amt kam, weil die Anhängerschaft Günther Oettingers in Ekel erregender Weise gezielt Gerüchte zur sexuellen Orientierung Annette Schavans streute. Renners kolportierte Auseinandersetzung mit Bischof Gebhard reduziert sich letztlich auf die Hinterfragung des Zölibats. Nach den Beispielen unreifer Sexualität im Priesterseminar St. Pölten, muss es erlaubt sein, dies in Frage zu stellen – freilich sollten dies jene tun, die es angeht.

Wer aufgrund des Alten Testaments Angst vor homosexuellen Menschen hat, muss sich bewusst machen, dass er, weil geschieden nicht mehr zur Kommunion zugelassen ist oder keiner Frau während ihrer Menstruationsphase die Hand geben darf.
Eingestellt von: Wolfgang Keller
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