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International

21.11.2005: Demo in Posen

Polen verloren?

Die Homophobie greift von der Regierung unterstützt um in Polen.

Demonstration in Posen
Demonstration in Posen
gej.vel.pl

In Posen spielte sich am vergangenen Wochenende ein weiteres Drama für die Lesben- und Schwulenbewegung in Polen ab. Eine angemeldete Demonstration zum von der UNO ausgerufenen „Internationalen Tag für Toleranz“ sollte unter anderem auch eine Demonstration gegen die vorherrschende Homophobie in Polen sein. Die Regierung in Warschau und der Bürgermeister von Posen waren gegen eine Demstration für mehr Homorechte, da eine solche in den Augen der konservativen Politiker unmoralisch sei.

Wieder einmal wurde zudem ein Sicherheitsaspekt gesehen, weil man mit Gegendemonstrationen rechnete. Dass diese Gegendemonstration unter anderem auch seitens einer Partei, die die jetzige Minderheitsregierung in Polen unterstützt, mitgetragen wurde, sei nur am Rande erwähnt.

Trotz des Verbotes versammelten sich mehrere Hundert Menschen zu der Demonstration, die zuerst auch relativ reibungslos verlief.

Polizei greift hart zu

Brutaler Polizeieinsatz bei der Demo
Brutaler Polizeieinsatz bei der Demo
gej.vel.pl

Nach ca. einer Stunde griff die Polizei massiv ein. In Zweierketten umzingelten diese die Demonstranten. Da sich die Demonstranten hinsetzten wurden sie teilweise mit roher Geawalt herausgezogen und verhaftet. Das ganze wurde sowohl vom polnischen Fernsehen, als auch von zahlreichen Fotografen aufgenommen. Die Festgenommenen wurden am späten Abend allesamt wieder freigelassen.

Die Vertreter der polnischen Schwulen- und Lesbenorganisationen gehen davon aus, dass die Polizei ihre Order zum harten Durchgreifen direkt aus der Hauptstadt erhalten haben. Dass ein solches Verhalten die Menschenrechte von Schwulen und Lesben in Polen mit Füßen tritt ist nachvollziehbar.

Am 26.11 um 10 Uhr findet in Berlin bei der polnischen Botschaft eine Demonstration gegen das Vorgehen der polnischen Politiker und Polizei statt. Aufgerufen dazu hat eine polnisch-deutsche Gruppe des schwullesbischen Switchboards Mann-O-Meter in Berlin.

Was ist los in Polen?

Spricht man mit schwulen polnischen Touristen, ist man als schwulenbewegter Deutscher oft irritiert. Zwar weiß man auch von vielen Deutschen, die sich um Politik nicht oder nur wenig kümmern, aber ein solches Desinteresse an Politik wie man dies von Polen vermittelt bekommt ist ungewöhnlich. Schaut man dann aber auf die Wahlergebnisse in Polen, wird schnell klar, dass es sich nicht um ein schwullesbisches Problem handelt. Vielmehr zeigen Wahlbeteiligungen von knapp mehr als 40 Prozent, dass die gesamte polnische Bevölkerung kein Vertrauen hat in die eigenen Politiker, weder in die von Rechts, noch die von Links.

Zu alledem ist die katholische Kirche in ihrer Rolle als Hüterin der Moral in Polen allgegenwärtig. Mit dem RAdiosender "Radio Maria" werden zudem genau die Parteien recht offen unterstützt, die anscheinend die Schwulen und Lesben aus Polen ganz verbannen wollen.

Das stellt uns auch vor Fragen. Wie sollen wir als Deutsche mit der Situation umgehen, dass in einem Nachbarstaat, der zudem der EU beigetreten ist, die Menschenrechte von Lesben und Schwulen quasi mit Füßen getreten werden? Für viel weniger Intoleranz wurden früher Firmen boykottiert, aber was macht man mit einem ganzen Staat? Ich appelliere an die Politiker in Deutschland und gerade auch an die neue Regierung hier ein Zeichen zu setzen, dass solche undemokratischen Vergehensweisen nicht toleriert werden. Und die Europäische Union ist gleichfalls gefragt.

Eingestellt von: Stefan Reck
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