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International

25.07.2004: Katholische Possen

Homophobie trifft Protektionismus

Perverser Sexskandal versus Wirklichkeit

Der Dom in St. Pölten
Der Dom in St. Pölten

Die Österreichische Presse reagierte auf die Geschehnisse im Priesterseminar von St. Pölten mit den für die Alpenrepublik gewohnten Schlagzeilen. Sobald schwuler Sex in Verruch kommt, spricht man gerne von "perversen Sexskandälen", als ob Homosexualität unter Priestern etwas besonders verwerfliches sein soll. Doch ist daran auch die katholische Kirche selbst schuld. In den gerade in Österreich gerne verbreiteten Meinungsäußerungen von Bischöfen zu Themen der Homosexualität steht immer das "Abnormale" im Vordergrund. So hat gerade der Salzburger Weihbischof Laun in einem Interview mit der katholischen in Österreich erscheinenden "Tagespost" nach dem Skandal gesagt: "Die homosexuelle Neigung ist eine Unordnung in der menschlichen Natur; ihr nachzugeben ist eine Sünde."

Was bisher geschah

Bischof Kurt Krenn
Bischof Kurt Krenn

St. Pölten hat ein recht bekanntes Priesterseminar in Österreich. Der Bischof von St. Pölten ist der sehr umstrittene, ultrakonservative Kurt Krenn. Bei seiner Einführung zum Weihbischof 1987 in Wien haben bereits damals Kritiker des "Opus Dei" Mannes sich zu Füßen des Wiener Stefandoms auf die Treppe gelegt um symbolisch den Zutritt von Krenn zu verhindern. Der stieg damals einfach über die Kritiker hinweg. Krenn machte trotz mannigfacher Kritik Karriere in Österreich und wurde schlussendlich Bischof von St. Pölten. Ausgerechnet in St. Pölten kam es nun zu einer Razzia im Priesterseminar. dabei wurden mehrere Computer beschlagnahmt und auf einer Festplatte Kinderpornographie entdeckt. Gegen den 27 jährigen Priesteranwärter aus Polen, der diese Bilder auf seiner Festplatte hatte, wird strafrechtlich vorgegangen. Doch wurden neben den strafrechtlich relevanten Bilder auch Bilder von offensichtlich eindeutigen schwulen Posen zwischen angehenden Priestern und deren Ausbilder entdeckt. Diese sind zwar nicht Umfang von strafrechtlichen Ermittlungen, passen aber so gar nicht in das Bild der katholischen Kirche. Dass sich nun der Fotograph der Bilder zu Wort gemeldet hat und behauptet, es handele sich nur um harmlose Umarmungen passt dann allerdings wieder in das katholische Weltbild von "Nächstenliebe".

Visitator eingesetzt

Bischof Klaus Küng
Bischof Klaus Küng

Wie ein Paukenschlag war dann auch die Ankündigung des Vatikans, einen so genannten Visitator einzusetzen. Der Vorarlberger Bischof Klaus Küng wurde als solcher ernannt. Als Visitator hat er nun die Aufgabe, nicht nur die Vorgänge im Priesterseminar, sondern die gesamte Diözese ins Visier zu nehmen. Ein deutlicher Hinweis an Bischof Krenn, dass man im Vatikan sehr genau hinschaut und auch eine indirekte Entmachtung des Bischofs, die aber so erst einmal niemand wahrhaben möchte in St. Pölten. Auf der eiligst einberufenen Sondersitzung der Bischofsversammlung wurde aber vorerst auf eine Rücktrittsforderung gegen Krenn verzichtet, obwohl der Erzbischof von Wien Kardinal Schönborn sich offen gegen Krenn ausgesprochen hat.

Eingestellt von: Stefan Reck
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