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25.07.2004: Gezieltes Coming Out

Westerwelle zeigt sich

Privatleben war immer ein Tabu

Guido Westerwelle
Guido Westerwelle
fdp.de

Der FDP Vorsitzende hat in der Vergangenheit seine Homosexualität zwar nie verleugnet, sie aber ebenso nie propagiert. Selbst auf verfängliche Fragen in Interviews wusste er stets auszuweichen. Sowohl innerhalb der Szene als auch in seiner Partei war sein "Schwulsein" allerdings ein offenes Geheimnis und insgeheim dürfte Westerwelle mit dem Bildouting (Die Zeitung mit den berühmten vier Buchstaben veröffentlichte Guido Westerwelles "größtes Geheimnis" als Schlagzeile im Sommerloch) sehr zufrieden sein.

Stückweises Outing

Der Schritt hin zum Outing geschah in den letzten Wochen schleichend. So entschloss sich der Politiker erst vor kurzem, seinen Lebensgefährten Michael Mronz (36) mit auf Empfänge zu nehmen, bei denen offiziell auch die Partner der Eingeladenen mit dabei sein durften. Dass dieser nun auf der Geburtstagsfeier zum 50sten der CDU Bundesvorsitzenden in der ersten Reihe saß, wunderte dann auch niemanden mehr so recht. Und vielleicht war dies auch von Guido Westerwelle sehr wohl durchdacht. Nach Jahren des "Eiertanzes" (TAZ) um seine Sexualität wenigstens ein Thema im Sommerloch zu sein und einen endgültigen Schlussstrich um die Spekulationen um sein Privatleben zu machen.

In der falschen Partei?

Interessant nur die von der Welt veröffentlichten Zahlen zur Akzeptanz von Westerwelle als schwuler Politiker. Wer hätte gedacht, dass er gerade in seiner Partei, abgesehen von den konservativen Parteien in Deutschland, am meisten Gegenwind zu erwarten hat. Immerhin 38 % der FDP Wähler geben Homosexualität als wahlentscheidend an, immerhin mehr als doppelt so viel der befragten Männer im Durchschnitt. Da hätte er es bei den Grünen (dort liegt der Widerstand gegen Schwule und Lesben bei etwa einem Prozent) doch sehr viel einfacher.

Westerwelles Forderungen stoßen auf keine Gegenliebe bei möglichen Koalitionspartner

Die nach seinem Outing geäußerten Forderungen nach einer Gleichstellung von Homoehe mit konventioneller Ehe (auch im Steuerrecht) und vor allem das von ihm eingeforderte Adoptionsrecht stoßen vor allem in der CSU auf Widerstand. Die
CSU-Bundestagsabgeordneten Hans-Peter Uhl und Wolfgang Zeitlmann zeigten sich überrascht und lehnten ein Adoptionsrecht kategorisch ab. Westerwelle sagte jedoch auch, dass er sich einer Rückwärtsbewegung in Fragen der Gleichstellung von Schwulen und Lesben durch die Union widersetzen wird. Das hätte er bereits in einem Gespräch mit dem ehemaligen Kanzlerkandidaten Stoiber vor der letzten Bundestagswahl geäußert.

Eingestellt von: Stefan Reck
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