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17.08.2005: Homorechte auf dem Rückweg

Zurück, Marsch, Marsch!

Schwul-Lesbische Rechte anscheinend bei CDU CSU ohne Chance

Angela Merkel in Dresden
Angela Merkel in Dresden
www.cdu.de

Man hat ja mit einigem gerechnet, die LSU (Lesben und Schwule in der Union) hat sich sogar auf die Kanzlerin Merkel bei ihrer anstehenden Bundesmitgliederversammlung in Hamburg gefreut. Doch selbst die schwulen und lesbischen Anhänger von Frau Merkel dürften beim Studium der frisch nominierten Mannschaft im so genannten Kompetenzteam Angst bekommen.

Dass Herr Beckstein (kompetent für Inneres) gegen das Lebenspartnerschaftsgesetz geklagt hat ist bekannt. Genauso wie die Einstellung des bayrischen Innenministers zu Fragen der Homosexualität. Dass er ins Kompetenzteam kommt, war nicht unerwartet.

Herr Schäuble (kompetent für das Ausland) hat mit Homorechten auch nicht wirklich etwas zu tun und lehnt diese grundsätzlich ab, weil diese unnötig sind.

Das größte Schwergewicht bei einem Kampf gegen Rechte für Schwule und Lesben ist aber Prof. Dr. Paul Kirchhof (kompetent für Finanzen).

Prof.Dr. Paul Kirchhofs Thesen

Prof. Dr. Paul Kirchhof
Prof. Dr. Paul Kirchhof

Der ehemalige Bundesverfassungsrichter sprach sich in mehreren Artikeln nicht nur gegen die Gleichstellung von Schwulen und Lesben aus. Er war und ist einer der größten Kritiker gegen der Homoehe und des Antidiskriminierungsgesetzes. Da wundert es kaum, dass die ultrakonservativen Kirchenkreise jubeln.

Er ist ein strikter Verfechter der getrennt-geschlechtlichen Ehe und sieht in der Homoehe nicht nur eine Benachteiligung der Ehe und Familie, sondern der Heterosexualität an und für sich. Für ihn ist eine Ehe auch dann nur eine richtige und schützenswerte Ehe, wenn diese nicht kinderlos bleibt. In einem Interview mit der Rhein-Neckar-Zeitung sagte er "Jede Gemeinschaft, die nicht potentiell nach dem freien Willen der Beteiligten eine Gemeinschaft zum Kind ist, mag eine legitime Gemeinschaft sein, aber sie ist niemals ein Gegenstand des besonderen Schutzes von Ehe und Familie". In einem Interview mit der Zeit heißt aus dem Jahr 2001 heißt es "Wer sich allein des Berufes wegen gegen ein Kind entscheidet, sollte sorgfältig bedenken, ob er damit nicht seiner Biografie einen weniger glücklichen Verlauf gibt". Das heißt im Umkehrschluss, dass der Jurist sich ausnahmslos für die Hausfrauenehe ausspricht. Wahrlich ein Fortschritt in unserer Gesellschaft. Solche Thesen hört man sonst eher aus dem Vatikan.

Die CDU CSU und ihre Einstellung zur Homosexualität

Kommentar von Stefan Reck:
Es verwundert eigentlich nur noch die Mitglieder der LSU, dass die CDU/CSU sich in der letzten Zeit massiv gegen mehr Rechte für Schwule und Lesben engagiert. Zuletzt war es die rigorose Abkehr der neuen Regierung in NRW bei der Vermittlung von Akzeptanz von Homosexualität im Schulunterricht und der einseitige Rückzug aus einer europäischen Initiative, in der es um Sexuelle Orientierung und Diversity in Erziehung und Beratung ging. Als Begründung muss herhalten, dass man "schwul und lesbisch" nicht propagieren wolle. Diese These vertrat auch Maggie Thatcher und verbot in den 80er Jahren kurzerhand in Großbritannien über Homosexualität positiv an Schulen zu lehren.

Gefährlich wird es, wenn man anfängt Parallelen zu ziehen zu anderen Strömungen, die in den letzten Jahren besonders aus der rechten christlichen Ecke zu hören waren. Begibt sich die CDU/CSU auf Schmusekurs mit den ultrakonservativen Kreisen, die Homosexualität wohl möglich noch für heilbar halten?
Eingestellt von: Stefan Reck
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